Thomas Knappe betreibt einen der größten Online-Versandhandel für mediterrane und tropische Pflanzen deutschlandweit. Rund 530 verschiedene Blumenarten stehen auf über 8000 Quadratmetern
Urlaub mit Südseeatmosphäre gefällig? Direkt vor der Haustür, vielleicht sogar im heimischen Garten? Thomas Knappe zeigt, wie´s geht: "Ich habe hinter meinem Haus zwölf Tonnen Sand und 30 Palmen", sagt der 37-Jährige. "Wenn es abends dunkel wird, sieht´s da aus wie im Urlaub."
Mit Palmen umgibt sich Knappe aber nicht nur in seiner Freizeit. Der in Castrop-Rauxel ansässige Internethändler hat sie vielmehr zu seinen ständigen Begleitern erklärt. Seit nunmehr fünf Jahren knüpft der "Palmenmann" sein Geschäft rund um die exotischen Gewächse.
Knappe setzt dabei auf das Prinzip Marktlücke. "Ich habe fast nur Pflanzen, die es nicht im Gartencenter zu kaufen gibt", sagt er. "Und ich achte darauf, dass diese abgehärtet sind, hier überleben können." Aus aller Welt lässt er sich die Gewächse liefern, die er dann in den eigenen Hallen weiterkultiviert. Knappe: "Aber ich reise auch selbst in die verschiedensten Länder."
Er weist in den Innenhof. "Die Olivenbäume zum Beispiel, die kommen aus Spanien." Die mediterranen Gewächse sind noch mit etwas Schnee bedeckt. "Und diese Elefantenfüße stammen direkt aus Guatemala." Die flaschenartigen Stämme mit der grünen Graskrone stehen natürlich nicht im Schnee, sie sind neben Hanfpalmen, Schlafbäumen und Feigen in einer von sechs Hallen beheimatet. "Wenn die Gewächse aus aller Welt bei uns ankommen, müssen wir immer aufpassen", erzählt Knappe, "da sind schonmal Vogelspinnen, Eidechsen oder Skorpione dabei."
Der Rundgang durch Knappes Gewächshäuser spiegelt die Geschichte seines Erfolges wider. Denn die ersten Palmensamen und Pflanzen, die er im Internet verkaufte, lagerte er noch bei sich zu Hause - im Wohnzimmer, wahlweise im Treppenhaus. Inzwischen verteilen sich rund 530 verschiedene Pflanzenarten auf 8500 Quadratmeter Lagerfläche, weitere 10 000 Quadratmeter stehen im Freien bereit.
Als "Kleiner Gärtner" hatte Knappe sich 2004 bei Ebay angemeldet. "Für Pflanzen habe ich mich schon immer interessiert", sagt er. "Aber Friedhofsgärtner werden - das war nichts für mich." Und so verdiente er sich neben seinem Job im Immobiliengewerbe mit Samen und kleinen Gewächsen zunächst ein bißchen Geld nebenher, dehnte die Idee nach einiger Zeit aber doch aus. Aus dem Taschengeld wurde ein stattliches Einkommen, das Geschäft begann buchstäblich zu blühen.
Innerhalb kurzer Zeit stieg Knappe zum Ebay-Powerseller mit dem höchsten Umsatz auf. "Denen gefiel meine Idee. Ebay hat mich richtig gepusht", sagt Knappe. Inzwischen ist er nicht mehr auf das Auktionshaus angewiesen. "Das System Ebay passt nicht mehr zu meinem Geschäft", sagt er. "Ebay? Nur noch für Werbezwecke." Längst steht der Palmenmann mit seinem Onlineshop auf eigenen Beinen. "Im November 2007 ist der Shop online gegangen", sagt er, "seitdem sind 4000 neue Kunden hinzugekommen. Die Nachfrage steigt."
Die vielbeschworene Wirtschaftskrise - bei Thomas Knappe jedenfalls scheint sie nicht angekommen zu sein. Und auch der fernen Zukunft kann er gelassen entgegen sehen. Mit Blick auf die Spanier sagt er: "Dort werden Palmen, wenn die denn groß genug sind, sogar für die Altersvorsorge eingeplant."
Castrop-Rauxel, 12.01.2009, Von Deborah Schmidt |